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Arbeitsam, erschöpft, froh und auf Reisen

Ich weiß nicht genau, wie sich das entwickelt hat, aber am Samstag hatte ich irgendwie die Nase voll von der ewigen Schwankerei, meine Arbeit hat sich auch überhaupt nicht mehr vorwärts bewegt, irgendwie musste ich mich stellen.

Ich habe mir mit jemandem, der sich damit auskennt, weniger mein Suchtproblem, mehr mein Arbeitsproblem angeschaut, das ewige sich vor Entscheidungen drücken, sich ablenken, wozu mir natürlich auch meine Sucht immer sehr recht kommt. Es war nicht ganz einfach, mich zu stellen, aber die eine oder andere Angst in mir habe ich besser verstanden und auch, dass ich nicht darum herum kommen würde, ein bestimmtes Spannungsgefühl beim Arbeiten, manchmal auch beim Leben, auszuhalten, damit umzugehen, es nicht gleich feucht-klebrig abzubauen, sobald es sich in meine Magengrube schleicht. Den einen oder anderen Weg dazu gezeigt bekommen.

Ich will nicht euphorisch sein, ich bin es, ehrlich gesagt, auch nicht, aber ich habe die Tage danach wenigstens, einiges anders gemacht. Enthaltsam gelebt, gearbeitet, mich den ganzen immer vor mir hergeschobenen Dingen wenigstens mal ins Auge geblickt und die wichtigsten davon wenigstens mal angegangen und ein Gefühl dafür bekommen, wie lange ich noch mit ihnen beschäftigt sein werde, und wenn ich mcihablenken wollte gemerkt, dass ich mich ablenken will und immer wieder ein gutes Gefühl dabei gehabt, nicht nur Nein zu sagen, sondern auch Ja zur Alternative. Gute Tage. Schlecht geschlafen. Zu viel in mir ist im Moment in Bewegung, deswegen will ich mich auch gar nicht der Illusion hingeben, dass ich in dieser oder jener Zeit dieses oder jenes Stück des Weges gegangen sein werde. Ich gehe mit dem Blick auf den nächsten Schritt und der eine oder andere davon ist mir schon schwer genug gefallen in den letzten Tagen.

Vorsichtig zwei Kontakte wieder angeknüpft, zwei von den vielen, die mir in den letzten Jahren fast verloren gegangen sind. Zwei schöne Reaktionen, die mir gut getan haben.

Schwierig mit K ins Gespräch zu kommen. Am Wochenende kann ich sie endlich mal wieder sehen, in den Arm nehmen, höchste Zeit. Gleich von dort aus gehe ich auf Dienstreise, über eine Woche und werde wahrscheinlich auch eher nicht dazu kommen, währenddessen hier hinein zu schreiben. Und wie ich mich kenne wird der Tag morgen auch hektisch genug mit Reisevorbereitungen. Also mach ich hier mal eine Pause.

Nicht dass es jemanden interessiert :o ) Ich packe meine Werkzeugkiste, die ich am Samstag bekommen habe und hoffe, dass sie mir hilft, wenn in den nächsten Tagen die schwierigen Momente kommen. Der Gedanke ist gerade so fern. Vielleicht weil ich so müde bin, mir gar nicht vorstellen kann, jemals irgendwie wieder Lust zu haben. Mein Kopf weiß, dass nur der richtige Auslöser kommen muss und schon bin ich wieder hellwach und mitten dabei. Also mal schön die Auslöser umgehen.

Ich bin gespannt, wie ich heute schlafen werde. Wann ich auch wieder Ruhe innen fühlen werde. Was ich schreiben werde, wenn die Reise zu Ende ist.

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An der Klippe entlang

Schwieriger Tag, Ich kann gar nicht viel schreiben. Immer am Rand entlang, ich habe kaum gearbeitet, schwer mich zu konzentrieren, schwer nicht schon wieder einfach aufzugeben, nachzugeben. Erst am Abend habe ich die Befriedigung gespürt, nicht nachzugeben. Aber ich fühle mich noch ein bisschen wacklig. Froh, wenn ich den Eintrag hier abgeschickt habe, aus dem Internet verschwinde und noch ein bisschen die Rihe genieße.

Es gibt einiges über das ich nachgedacht habe. Ich habe heute in kurzen Momenten die Leere gespürt. Wie ich gerne manche Dinge tun will, aber bei dem Versuch irgendetwas Unmechanisches aus mir herauszubringen völlig leer bin, gar nicht weiß, wie ich das anstellen soll. Wie ich das Gefühl habe, immer nur zu stümpern und gar nichts anpacken will, weil ich dazu eh nicht gut genug bin, in allem, selbst in der Arbeit, in der ich mal im kleinen Kreis wenigstens geradezu angesehen war. Und wenn mir dann wieder kein Projekt einfällt und dann vielleicht höchstens eines, für das ich mich aber für zu unfähig halte, dann würde ich einfach gerne die Hose aufmachen. Und ab in die Fantasiewelt.

Aber immerhin. Diesen Weg habe ich mir heute versperrt.

Absturz

Die kurze Erleichterung des Scheiterns

Wie ich so schnell scheitern konnte, ist mir selbst ein Rätsel. Vielleicht hätte ich nicht so früh über die Macht der Bilder schreiben sollen und damit alle Bilder wieder heraufbeschwören. Abends hab ich mich vor dem Fernseher gefunden, langsam aufgebaut, bis ich zum PC gewechselt bin, nein, plötzlich spielt Geld keine Rolle. Die Sicherungen haben nur so gequalmt vom Durchbrennen. Es wurde spät. Am Ende lag ich leer auf dem Wohnzimmerboden. Das Gefühl war – Erleichterung.

Das Unheimliche ist, dass es mir wirklich besser ging danach. Ich hatte nur eine kurze Nacht, aber ich hab mich danach nicht so müde und kaputt gefühlt wie vorher. Konzentriert gearbeitet. Ausgeglichen gefühlt.

Unheimlich, weil ich von außen betrachtet natürlich weiß, wie es weitergeht. Weil ich weiß, dass bei allen Drogen genau das passiert – wenn man sie nicht hat Unruhe und Unausgeglichenheit und wenn man sie dann wieder bekommt, erst einmal Zufriedenheit. Dass das bei so einem stofflosen Stoff wie Sex ohne Gegenüber auch so ist, ist verrückt. Aber ich muss sagen, es ist so. Ich erlebe es gerade. Und natürlich weiß ich, dass ich die Dosis schnell wieder steigern will. Also hab ich mir erstmal den Weg versperrt. Fernsehprogramme gelöscht, so wie schon mein Telefon für bestimmte Nummern gesperrt ist. Was mir auch wirklich gut tut, sind Rituale, ein festes Korsett. Manchmal wünschte ich, ich hätte bei der Arbeit klarere Vorgaben, nicht nur so ferne, vage. Ich liebe Tagespläne, aber sie versanden dann auch gerne immer wieder. Das Morgenritual hatte ich schon mal ganz gut im Griff – keine falsche Berührung an morgendlichen Verhärtungen, stattdessen aufstehen, beten, frühstück machen, duschen, man geht gleich mit einem ganz anderen Gefühl in den Tag. Für Abends hatte ich auch mal so etwas gebastelt. Und wenn ich bei der Arbeit dafür sorge, dass ich immer von Kollegen beobachtet werden kann, dann wär das doch schon ein ganz guter Rahmen. Ich will nur erstmal die ganze Wucht des Entzugs spüren und nicht gleich einknicken. Ich weiß, dass ich damit erst einmal nur verdränge. Aber ich will fühlen, welche Wünsche und Sehnsüchte jenseits der Selbstbefriedigung da in mir hochsteigen. Und Schritt für Schritt wieder mehr als nur einen anderen Menschen in mein Leben lassen. Eins nach dem anderen.

Matthew Perry (den Chandler aus Friends) habe ich mal bei einem Fernsehinterview gesehen, als er von seinem Alkohol-Entzug berichtet hat. Er hat erzählt, wie stolz und froh er war, als er es geschafft hat, sich selbst in die Entzugsklinik einzuweisen. Nachdem sich der erste Trubel gelegt hatte und er dann am ersten Abend allein in seinem Zimmer in der Klinik saß, hat er gedacht: Puh, das hab ich ganz schön gut gemacht. Nicht schlecht. Jetzt trink ich erst mal einen. — Ich kann ihn bestens verstehen.

Suchtgeschichte

Die Macht der Bilder

Wenn ich nicht gleich wieder am Anfang meiner Versuche abrutschen will, das merke ich immer deutlicher, muss ich mich von den Bildern fernhalten. Es gibt Bilder, die sind so mächtig, dass ich alle Vorsätze vergesse und meine Sucht nur noch ausleben will. Die Bilder sind einfach, Bilder von Frauen, die sich anbieten, die versuchen mich zu verführen, die mir zeigen, dass sie mich wollen. – Ergebnis meiner Bilderkarriere…

Nicht schwierig herauszufinden, woran das liegt, das sie so eine Macht haben. Die Bilder waren mein erster Kontakt mit Sex und sie waren lange Zeit der einzige und sie ziehen sich durch meine ganze Sucht. Als Kind hatte ich keine Probleme an Zeitschriften mit solchen Bildern zu kommen, billige Blättchen mit massenweise nackten und mehr oder minder aufreizenden Frauen. Sie waren einigermaßen griffbereit; wenn ich alleine war, konnte ich ganz im Geheimen natürlich gierig die Zeitschriften durchblättern, immer wieder. Ich kann mich noch bestens an das Gefühl erinnern, das die Bilder in mir wach gerufen haben, als ich gerade erst langsam anfing in die Pubertät zu kommen. Ein seltsam aufregendes Gefühl, das ich gar nicht einordnen konnte, das ich aber immer wieder haben wollte.

Meine erste Selbstbefriedigung entstand aus so einem Bild. Sie hatte irgendwie Ski an und einen Schal um und sonst nicht viel und ich habe das Bild nachgestellt, ich weiß noch wo und wie und letzten Endes habe ich mit dem Schal dafür gesorgt, dass sich ein zwei Tropfen weiße Flüssigkeit hervorgetan haben, ein ganz unglaubliches Gefühl, das ich gerne wieder haben wollte, von dem ich aber erst später verstanden habe, was es eigentlich bedeutet hat und von dem ich mir erst sehr viel später gewünscht habe, dass es irgendwann im Schlaf und ohne mein Zutun und ohne Bilder von außen passiert wäre.

Sehr früh bin ich auch mit Porno-Bildern in Kontakt gekommen. Es war so früh, dass ich überhaupt keine Vorstellung davon hatte, was da eigentlich abgebildet war. Ich dachte den Frauen würde weh getan und dass sie deswegen so einen verzerrten Gesichtsausdruck hatten. Auch die Pornos waren für mich nicht schwierig aufzutreiben und heimlich durchzublättern und sie waren irgendwie selbstverständlich, wenn auch geheim, ein irgendwie offenes aber doch sorgfältig verschwiegenes Geheimnis. Die Pornos hatten eine noch seltsamere Faszination. Ich habe sie erst kaum in die Hand genommen, mit der Zeit dann mehr und mehr, je mehr das Erschrecken der Lust gewichen ist. Ich fand nicht alles wirklich erregend, was da zu sehen war, und manche Dinge haben es bis heute nicht in meine lustvollen Phantasien geschafft, nichts was ich als abartig bezeichnen würde, aber trotzdem irgendwie Praktiken, die ich offentsichtlich nicht so erregend finde wie andere Leute. Trotzdem, viele Bilder habe ich verschlungen. Ich hatte Lieblingsbilder, sexy aufgemachte Frauen in bestimmten Posen, auf die ich mir immer und immer wieder Erleichterung verschafft habe, durch meine ganze Pubertät hinweg. Bis ich irgendwann ausgezogen bin.

Die nächsten Stationen habe ich mir neulich mal durch den Kopf gehen lassen. Noch zu Hause und noch zu jung habe ich auch Pornovideos entdeckt, ein oder zwei oder drei, von denen ich noch einige Szenen in frischer Erinnerung habe, weil ich sie immer wieder angeschaut habe. Von zu Hause weg, kam erst mal eine ruhigere Phase, mit einer Freundin, irgendwie unbeholfenem Sexleben und vielen Bildern im Kopf und der Hand als wichtigem Hilfsmittel in ruhigen Stunden. Der richtige Fall in die Sucht kam dann einige Zeit nach der ersten Trennung vor so etwa 14 Jahren. Eine Zeitschrift habe ich mir nur einmal gekauft, aber darin habe ich Telefonnummern entdeckt, die von da an ständige Begleiter waren. Statt Bilder vor Augen erstmal Bilder im Ohr. Telefonsex. Wenig später Telefonchatlines. Teuerteuerteuer. Seitdem immer wieder Geldmangel. Wenig später die Entdeckung des Internet. Sexerzählungen. Sexchats. Pornos im Internet. Lange Zeit alles gleichzeitig. Eine reale Frau, mit der ich zwar zusammen war, aber von der mich, im Nachhinein betrachtet, wenig mehr interessiert hat als ihr Interesse an meinem Körper und ihr mir gegenüber freigiebiger Umgang mit dem ihrigen. In die Zeit fallen dann auch die ersten Versuche, direkt und ohne große Umwege an Sex zu kommen, über Chats am Telefon und im Internet, die meisten erfolglos. Irgendwann habe ich Geld eingesetzt, ohne dass es jemals wirklich dazu gekommen wäre. Irgendwann habe ich Prostiuierte besucht und bin immer wieder rechtzeitig gegangen, weil ‘ich es mir erst nochmal überlegen’ wollte. Irgendwann hat mich eine dann doch überzeugt. Und noch eine. Und noch zwei.
Zwischendrin, zwischendrin habe ich eine Frau kennengelernt wie noch keine. Die erste, die ich auf ganz normalem Weg kennen gelernt habe. Die sich in mich verliebt hat, in die ich mich verliebt habe. Mit der ich auf dem ganz klassischen Weg zusammengekommen bin. Ich, ausgerechnet ich, der ich so gar kein Mit-Frauen-auf-klassischem-Weg-Zusammenkommer bin. Mit der ich seit Jahren zusammen bin. Die die erste ist, von der ich mit aufrichtigem Herzen sagen kann, dass ich mit ihr mein Leben verbringen möchte, mit ihr alt werden möchte. Die mich, wenn sie den ganzen Scheiß mitbekommen hätte, in hohem Bogen rausgeworfen hätte. Ich war schon viel zu verstrickt, als dass ich einfach hätte aufhören können. Es war einfach alles ein selbstverständlicher Teil von meinem Leben. Halbherzig ab und zu versucht, herauszukommen. Aber die Zeit ist da, ein Leben zu führen und nicht zwei.

Meine Güte, beim Schreiben merke ich erst, wie viel es noch zu erzählen gibt. Woher die Macht der Bilder kommt, gut, das ist klar, aber wie sie mein Leben im Griff gehabt hat, dazu gibt es noch so viele Geschichten, Stationen. Deren Ergebnis nur eines ist: Wenn ich heute eines dieser Bilder sehe, muss ich mich umdrehen und weglaufen, bevor der Puls schneller wird und dass Blut sich Wege aus dem Gehirn weg sucht.

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Zwischen Tief und Hoch

Als ich mit dem Tag heute angefangen habe, hatte ich den Blog-Eintrag schon im Kopf. Zumindest den Titel. Entzugserscheinungen, die zweite. Denn letzten Endes passiert mir gerade das, was mir beim ersten Anlauf auch passiert ist. Schon am Sonntag habe ich mich irgendwie gerädert gefühlt. Und heute morgen dann erst. Wie ausgespuckt. Brummender Schädel, brennende Augen. Ich weiß nicht, ob das wirklich ein Sexsucht-Entzugszeichen ist, aber es kommt mir schon sehr so vor. Erschöpfung.

Jetzt, kurz bevor ich ins Bett gehe, ist mir nicht mehr so danach, den Tag nach den Entzugserscheinungen zu benennen. Irgendwie hat der Tag noch einigermaßen die Kurve gekriegt. Mich zum Aufstehen gebracht. Gebetet. In Ruhe gefrühstückt. Geordnet mit der Arbeit angefangen. Mich den Kollegen gestellt. Und nach dem Mittagessen mit einigen Leuten, haben die Kopfschmerzen langsam nachgelassen. Einigermaßen gut gearbeitet. Zu Hause mit K telefoniert und irgendwie Heimat gefühlt. Ich hab danach bilanziert, in welchen Schritten meine Sucht sich über die Jahre entwickelt hat, auch so etwas für einen der nächsten Einträge, es gibt noch viel zu schreiben. Noch viel anzugehen.

Ich hab mich zwar immer noch müde gefühlt, aber nicht mehr so furchtbar und komplett ausgelaugt. Die Klimperei dann, sie ist irgendwie befreiend gewesen heute. Zwei Stunden versucht die Gitarre neu kennenzulernen, dabei in den dunklen Garten hinausgeschaut, ich war irgendwo anders zwei Stunden lang, kein einziges Nein nötig, einfach gedankenverloren mich gefreut, wenn die Töne gepasst haben und mich geärgert wenn ich mich mal wieder vergriffen hab.

Heute gab es viele Augenblicke, an denen ich mich trocken gefühlt habe, nüchtern. Wenn so mein Leben aussehen könnte, wenn ich so einen Augenblick an den anderen reihen könnte… Aber jetzt werden erstmal die Entzugstage kommen. Die Macht der Bilder. Der Bilder von draußen und von drinnen. Aber heute hab ich wieder ein paar Gegenbilder gesehen. Und fühle mich dankbar dafür. Und doch latent gefährdet. Die Angst bleibt, das alles wieder schief geht.

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Pläne

Ganz schön viele Pläne auf einmal. Noch vir zwei Stunden ungefähr, wollte ich hier eine kleine Schreibtherapie machen, nachdem ein Gespräch mit K, und aufs Sprechen und Schreiben sind wir ja beschränkt im Moment, gründlichschief gegangen war und mir einiges klar geworden oder längst klar gewordenes mir wieder in Erinnerung gekommen ist, darüber, wie ich so ticke. Es ist jetzt erst einmal eine Kopftherapiestunde geblieben, es war einfach noch zu viel los, noch einmal mit K gesprochen, so dass es mich weitaus ruhiger gemacht hat innen drin, ein bisschen vor mich hin geklimpert und weggetragen worden davon, Zeit und Raum vergessen.

Ursachenforschung ist also der eine Plan. Und einiges gibt es zusammenzutragen aus den Tiefen des Netzes, denn ich bin alles andere als allein mit meinen Sexsucht-Sorgen. Aber schlafen, das ist auch so ein Plan, das sollte ich auch nicht vergessen.

Komisch. Wieder ein trockener Tag. Ganz wenig Nein, ganz wenig Lust. Vielleicht bin ich nur zu erschöpft. Vielleicht hatte ich heute auch einfach genug in meinem Tag, genug aufregendes und genug, was mich müde gemacht hat. Gemütlich ins Bett, mit dem Buch unter die Decke. L, Sie erstaunen mich.

Vorsätze

Entzug, die zweite

Zweiter Anlauf zum Entzug also. Und es ist genau, wie es beim letzten Anlauf war. Der erste Tag danach beginnt angenehm. Gut geschlafen, nicht diese dröge Kraftlosigkeit beim Aufwachen. Das Gefühl, das Richtige zu tun. Ich genieße es und pflege es, die paar Stunden, die es da sein wird…

Gestern Abend habe ich also tatsächlich wieder auf der Gitarre herumgeklimpert und es war ein ganz einzigartiges Gefühl. Zum ersten Mal seit Jahren hatte ich sie wieder in der Hand. Und zum ersten Mal überhaupt hatte ich bei den paar Akkorden und den paar Linien, die ich hervorgebracht habe, das Gefühl, wie sich das wohl anfühlen würde, wenn ich spielen könnte, wie ich fühle. Es war, als hätte ich ganz kurz hinter ein großes schweres Tor geschaut, hinter dem eine riesige verheißungsvolle Welt liegt. Eigentlich gibt es kein schöneres Bild, um wieder auf die Reise zu gehen. Das Tor öffnen, vor dem ich kauere.

Vorsätze

Rückfallzeit

So schön das Wochenende war, hat es doch den Rückfall gebracht. Unvorstellbar, wie übermächtig der Drang sein kann.

Ich war unterwegs am Wochenende und ich hatte perfide genug schon ausgekundschaftet, dass es da in der Nähe eine Prostituierte geben würde. Die mir auf einmal wie ein fleischgewordener Traum vorkam. Das Nein wurde zum Mal sehen, ich werd’s ja dann eh nicht tun, zum Vielleicht. Irgendwann war ich so fixiert auf den Gedanken (egal ob ja, nein, vielleicht, der Gedanke war immer da), dass ich mich erleichtert habe. Nur so einmal. Ganz gezielt. Um mich von den Gedanken zu befreien. Um entspannter zu sein. Um mit der Enthaltsamkeit neu anfangen zu können.

Wenn ich eine Sache daraus gelernt habe, dann, dass das keine gute Idee ist. Einmal geöffnet, sind die Schleusen offen. Das Internet hatte mich wieder, sogar zum Telefonieren hab ich mir einen Zugang verschafft, auch wenn ich solche Nummern eigentlich nicht mehr anrufen kann. Man wird kreativ.

So viel Energie, so viel Erfindungsreichtum. Wenn ich die woanders hinlenken könnte, ich wäre wahrscheinlich glücklich. Glücklicher.

Gestern Abend die Gitarre gegriffen. Geklimpert. Ein schönes Gefühl. Gefühl. Wenn ich einen Schritt zurücktrete, spüre ich, wie taub mein Körper ist, wenn ich immer nur daliege und mich mit einem einzigen Körperteil beschäftige.

Wohin könnte der Entzug mich führen? Wie viel Macht hat der Drang? Ich bin müde ihm nachzugeben, mich immer wieder im Kreis zu drehen. Vielleicht hilft mir die Rückfallerfahrung dabei zu verstehen, zu fühlen, zu wissen, dass es nichts taugt, sich einmal nur so ganz gezielt zu erleichtern. Man wird noch hoffen dürfen. Ich habe keine Lust, mich im Griff behalten zu lassen. Ich habe Lust aufs Wachsein, Dasein, Freunde haben. Wie hab ich das am Wochenende gespürt. Unter Freunden sein. Geliebt werden, ganz sexfrei, einfach geliebt, geschätzt werden. Die schönsten Momente mit K, die zärtlichsten. Aber ich hab sie nur noch mit K. Und in meinem Kopf. Ich brauch sie in der Welt.

Vorsätze

Wochenendurlaub

Es bleibt so, dass die Verlockungen überall warten. Die Atempause hatte den entschiedenen Nachteil, dass ich mich entspannt habe und kurz später sah es so aus, als sei alles gar nicht wirklich schlimm. Falsch. Es ist nur alles gar nicht wirklich leicht.

Jetzt aber erst einmal ein kleiner Wochenendurlaub. Unter Leute gehen. Ich gehe nicht gern unter Leute. Ich hoffe, ich werd mich nicht in den Erdboden wünschen. Ich hoffe, ich werd mich nicht nach dem örtlichen Angebot umsehen. Ich hoffe, ich kann mich stellen.

Werde vorsichtig tastend mal einen Fuß vor den anderen setzen.

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Atempause

Von einem grauenvollen Abend zu einem ruhigen und geerdeten Tag. Gestern war der Druck einfach zu groß. Es hätte jedenfalls nicht viel gefehlt und ich wäre wieder in meiner eigenen Soße aufgewacht. Immerhin, so weit bin ich nicht gegangen. Aber trotzdem weit.

Ja, ich habe ihn mehr als nur in der Hand gehabt. Ja, ich hätte mich gerne gezeigt, wenn sich jemand dafür interessiert hätte. Ja, ich habe telefoniert, kurz zwar und ohne, dass etwas passiert ist, aber ich habe telefoniert. Ja, ich habe gechattet. Ja, ich habe mich nach Preisen erkundigt.

Das einzige, was mir das Ganze nicht wie ein einziges schreckliches Desaster vorkommen lässt, ist, dass ich nichts zu Ende gebracht habe. Dass ich irgendwann abgebrochen habe, mich zur Vernunft gerufen habe. Wie viel das wert ist, weiß ich nicht. Es fühlt sich gut an, aber vielleicht tut es das einfach auch nur, weil es leichter ist, zu glauben, dass ich am Ende doch noch stark war, als zuzugeben, dass ich einen Rückfall hatte, dem nur noch ein paar Sekunden, ein paar Bewegungen, ein bisschen zähe Flüssigkeit gefehlt haben.

Ich habe mich dann, nach dem Abbruch, hingesetzt, ans Fenster, auf die dunkle Straße geschaut, mir eine Tasse Tee gemacht, alles ausgeschaltet und mich in die Ruhe gefühlt. Meine Erfahrungen Revue passieren lassen. Die Trostlosigkeit in Worte gefasst, ohne sie aufzuschreiben, weil das Schreiben nur die Ruhe gestört hätte. Und bin immer ruhiger geworden, immer sicherer, dass auf die Knie zu fallen und den Weg nicht mehr weiter hinunter gehen zu wollen, das einzig Richtige, das einzig Gute war. Dass es nicht darum gehen kann, mir mal eben kurz Erleichterung zu verschaffen, damit ich wieder besser funktioniere, nicht immer den ganzen Tag so schlapp bin und damit ich mich wieder besser konzentrieren kann. Weil ich schon so oft versucht habe, es bei der gelegentlichen Erleichterung zu lassen. Und weil ich schon so oft zu spüren bekommen habe, dass ich so gut bei der kleinen Erleichterung bleiben kann, wie der Fixer beim gelegentlichen Schuss und der Alkoholiker beim gelegentlichen Gläschen Bier.

Ich habe eine Macht in mir gezüchtet, die jetzt, wo ich ihr ihr Futter nicht mehr geben will, ihr Recht verlangt. Ich werde sie nicht alleine und nebenbei klein kriegen. Aber mich einfach weiter treiben zu lassen, kann es auch nicht sein. Das zu wissen und zu spüren, nachts am Fenster, war ein ruhiges und gutes Gefühl.

Es war das ruhige und sicherere Gefühl, mit dem ich ins Bett gegangen bin. Und mit dem ich, und da kann ich nur Gott danken, auch aufgewacht und fast durch den ganzen Tag gegangen bin.

Natürlich wird die Ruhe damit zusammenhängen, dass ich gestern, wie das wohl so schön heißt, ausagiert und nur noch wenige Grenzen akzeptiert habe. Aber vielleicht hat sie wenigstens auch ein bisschen mit dem Blick auf die dunkle Straße und das Dunkle in mir zu tun.

Ich werde mich jetzt noch ein bisschen ans Fenster setzen. Und auf die Straße schauen. Und die Atempause noch ein bisschen auskosten, bevor ich schlafen gehe. Und meine Träume nach meinen Wünschen befrage.

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